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Beatrice Pierre – Vorreiterin für Diversität im Bergbau

Author: Glencore | Datum: 15/11/2018

Beatrice Pierre ist General Manager unserer Kupferhütte Altonorte in Chile und eine der Top 100 Women in Mining 2018. Wir wollten von ihr wissen, wie wichtig für sie das Thema Diversität ist. Ausserdem sprachen wir über ihre Karriere im Bergbau und darüber, was die Zukunft von Altonorte unter ihrer Leitung bereithalten wird.

Sie sind seit 15 Jahren im Bergbau tätig. Wie sind Sie dazu gekommen?

Beatrice: Ich glaube, der Bergbau kam eher zu mir. Geboren und aufgewachsen bin ich in Haiti, wo man mit dem Thema Bergbau nicht wirklich in Berührung kommt. Und auch als ich nach Ottawa in Kanada zog, war mir die Branche noch fremd. Ich habe dann Chemieingenieurwesen studiert, weil es mir Freude bereitet, Probleme zu lösen und zu erkunden, wie die Dinge funktionieren. 

Irgendwann ist mir aufgefallen, dass Glencore ein „Engineering in Training“-Programm anbot. Das hat mein Interesse geweckt. Dieses zweijährige Programm eröffnete die Möglichkeit, zu reisen und verschiedene Aspekte des Bergbaus und der Wirtschaft im Allgemeinen kennenzulernen. Ich fand, das ist eine wunderbare Möglichkeit, jungen Ingenieuren verschiedene Aspekte des Berufs nahezubringen. Das Programm war flexibel, schien kreativ und war mit gutem Mentoring verbunden. 15 Jahre später kann ich immer noch sagen, dass mich alle Aspekte des Programms begeistert haben. Es war wirklich eine tolle Erfahrung. 

Und jetzt wurden Sie von der Organisation Women in Mining (Frauen im Bergbau) unter die „Top 100 Global Inspirational Women in Mining“ gewählt. Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie die Nachricht erhalten haben?

Beatrice: Jetzt, wo Sie davon sprechen, strahle ich wieder über das ganze Gesicht. Es hat mich sehr bewegt, dass ich nominiert und dann tatsächlich in die Top 100 gewählt wurde. 

Ich bin sehr dankbar dafür, all diese Chancen bekommen und auch den Mut gehabt zu haben, sie zu nutzen. Es ist unfassbar, dass ich heute so leben kann. Meine Mutter zum Beispiel hatte diese Möglichkeiten nicht, als sie jung war. Sie hat nie studiert und nur knapp die Highschool abgeschlossen. Wenn ich mir dann überlege, was sie mir trotzdem alles gegeben hat – es ist unglaublich. Ich habe das Gefühl, etwas erreicht zu haben – und zwar nicht nur ich, sondern meine ganze Familie.

Während meiner Laufbahn hatte ich nur einmal eine Frau als Vorgesetzte. Jetzt diese Auszeichnung zu erhalten macht mich wirklich stolz. Ich gehe nie mit dem Gedanken an die Dinge heran, dass ich damit vielleicht ein Vorbild für andere sein könnte. Vielmehr sage ich mir „Warum nicht? Ein Versuch kann nicht schaden“. Allerdings hoffe ich, dass diese Auszeichnung anderen Menschen zeigt, was alles möglich ist. Und dass sie dadurch motiviert werden, ihren Weg zu gehen und ihr Potenzial zu entfalten. 

Wie hat sich die Branche seit Ihrem Eintritt ins Berufsleben Ihrer Meinung nach verändert?

Beatrice: Wenn ich heute den Bergbau betrachte, dann fällt mir auf, dass ein Elektrotechniker mein Finanzleiter ist. Und mein Personalchef hat im Hauptfach öffentliche Verwaltung und Kommunikation studiert. Ich habe im Laufe meines Berufslebens gelernt, dass es nicht darum geht, was man weiss, sondern wie man seinen Verstand und sein Wissen nutzt und mit Menschen umgeht. Die grösste Veränderung besteht darin, dass man in die Art von Menschen investiert, die man sich wünscht –und in ihr Potenzial. Wir wollen Mitarbeitende, die anpassungsfähig sind, die kreativ sind, die lernen wollen und Probleme lösen können.

Was die Diversität anbelangt: Wir sprechen zwar viel über „Frauen im Bergbau“, aber sehen Sie auch eine Verschiebung hin zu einer allgemeineren Betrachtung dieses Themas?

Beatrice: Absolut. Ich glaube, wir brauchen eine breitere Diskussion. Als Frau weiss ich natürlich, dass es besondere Herausforderungen für Frauen gibt, insbesondere im Hinblick auf die Vereinbarkeit der Belastungen und Anforderungen im Bergbau mit dem Familienleben und mit anderen Aspekten. Ich denke, dass es hier einen grossen Schub gab und dass wir Fortschritte machen. Wir müssen jedoch viel mehr tun, um nicht nur Frauen, sondern auch farbige, gleichgeschlechtlich lebende Personen und generell Menschen mit unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergründen zu motivieren. Wir müssen die Welt wissen lassen, dass unsere Türen offenstehen. Wir wollen die Besten ins Unternehmen holen, egal, woher sie kommen und wie sie leben.

Was bedeutet das für Sie, wenn Sie in Altonorte Leute einstellen?

Beatrice: Wir suchen Mitarbeitende, die schon viel herumgekommen sind, denn Reisen erweitert den Horizont. Auch Anpassungsfähigkeit ist für uns wichtig. Denn wenn Sie anpassungsfähig sind, können Sie diese Fähigkeit auch im Umgang mit verschiedenen Menschen nutzen. Ausserdem legen wir grossen Wert auf geistige Flexibilität. Einige Menschen sind sehr festgefahren und denken „so wurde ich erzogen und ich werde mein Verhalten nicht ändern“. Wir halten daher nach Profilen Ausschau, deren Horizont wir erweitern können – nach Personen, die schon woanders gelebt oder andere Lebensauffassungen kennengelernt haben. 

Erzählen Sie uns von Ihrer Arbeit in Altonorte.

Beatrice: Altonorte ist strategisch sehr günstig gelegen. In Chile hat man fast überall Zugang zur Küste. So haben wir Einfuhrhäfen, die uns den unproblematischen Import und Export von Produkten ermöglichen. 

Punkto Produktion haben wir einige neue Rekorde aufgestellt. 2017 erzielten wir mit über einer Million Tonnen von verarbeitetem Kupferkonzentrat einen neuen Produktionsrekord für Altonorte. Wir haben ein Hüttenwerk, das als Familienbetrieb begann, zu dem gemacht, was es heute ist – Bestandteil eines strukturierten multinationalen Grosskonzerns. Das ist wirklich eine grossartige Geschichte. Die auffälligste Veränderung, die ich bei Altonorte beobachtet habe, ist jedoch unser Kulturwandel. Es tut gut, zu sehen, dass Menschen an ihr eigenes Potenzial glauben. Ich habe nirgendwo sonst so tiefgreifende Veränderungen erlebt wie in meinen drei Jahren in Altonorte. 

Welche Unterschiede sehen Sie im operativen Bereich?

Beatrice: Wir sehen eine grosse Steigerung der Produktion, aber es gibt auch die „weicheren“ Signale. Geht man durch das Werk, sieht man Menschen, die stolz auf ihre Arbeit sind. Sie erkennen es auch an der Sauberkeit. Früher lag Müll herum, zum Beispiel leere Wasserflaschen. Wir können natürlich nicht genau beziffern, wie viele Wasserflaschen es heute weniger sind. Aber es zeigt, dass die Leute Wert auf einen sauberen Arbeitsplatz legen. Sie sind stolz auf ihre Arbeit und haben echten Teamgeist entwickelt.

Und wenn Sie einen Blick aufs nächste Jahr werfen, welche weiteren Prioritäten haben Sie für 2019?

Beatrice: Unsere oberste Priorität ist immer unsere Sicherheitsbilanz. Ausserdem führen wir im Moment einige sehr wichtige Investitionsprojekte durch. Wir wollen beweisen, dass wir diese Vorhaben budget- und fristgerecht abschliessen können. 

Das erste Projekt ist eine neue Filteranlage zur Verbesserung der Arsenabscheidung. Die Anlage wird unsere Emissionen reduzieren und sicherstellen, dass die Luft, die unsere Mitarbeitenden und die lokale Bevölkerung einatmen, so sauber ist, wie sie sein kann und sein sollte. Im Rahmen eines weiteren Projekts stellen wir einen Schmelzofen auf Erdgas um. Das ermöglicht Kosteneinsparungen und hilft uns zudem, den CO2-Ausstoss zu senken. Zu guter Letzt versuchen wir, durch unser Projekt „Thickened Tailings Disposal“ (Entsorgung von verdichtetem Abraum) den Wasserverbrauch in unseren Schlackeanlagen zu reduzieren. Wenn Sie mitten in der trockensten Wüste der Welt arbeiten, ist Wasser ein Rohstoff, den Sie bestmöglich und verantwortungsvoll nutzen wollen.