Die Zukunft von Rohstoffen ist zirkulär

Interview mit Kunal Sinha
veröffentlicht: 17/03/2022

Glencore ist eher für Abbau und Vermarktung von Rohstoffen bekannt als für Recycling. Kunal Sinha, Head of Recycling for Copper, Cobalt and Electronics bei Glencore, erklärt, wie diese Sparte von Glencore dazu beiträgt, die Kreislaufwirtschaft zu fördern.

Kunal, seit wann recycelt Glencore Metalle?

Kunal Sinha: Unsere Horne Schmelzhütte in Kanada begann damit nach dem Zweiten Weltkrieg. Seither sind wir zu einem der grössten Recyclingunternehmen für End-of-Life-Elektronik, Batterien und deren Metallen herangewachsen. In den 1980ern leisteten wir Pionierarbeit bei der Rückgewinnung von Metallen aus alter Elektronik. Seit 1990 haben wir über 1 Million Tonnen alte Schaltkreise und Bauteile verarbeitet. Gemäss UN E-Waste Monitor ist Elektroschrott die am schnellsten wachsende Abfallart: Von 53,6 Millionen Tonnen 2019 wird das Volumen bis 2030 voraussichtlich auf 74,7 Millionen Tonnen wachsen.

Wie passt Recycling zu Glencores Zweck?

Unser Zweck ist es, auf verantwortungsvolle Weise Metalle bereitzustellen, die das tägliche Leben voranbringen. Bei Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge und Unterhaltungselektronik etwa sind Kupfer, Nickel und Kobalt unverzichtbar. Angesichts der enormen Nachfrage nach diesen und weiteren Metallen wird das Recycling entscheidend sein beim Übergang zur kohlenstoffarmen Wirtschaft. Es reduziert auch die CO2-Bilanz: Recyceltes Kupfer verursacht 80% weniger CO2 als seine Gewinnung und Veredlung.

Wir fördern und veredeln Metalle in unseren Anlagen, vermarkten sie und recyceln sie anschliessend, damit sie wieder in die Lieferkette gelangen. 

Kunal Sinha - Head of Recycling for Copper, Cobalt and Electronics

Was unterscheidet Sie von anderen Recyclern?

Für uns ist Recycling kein Nebenprojekt. Das Primär- und das Recyclinggeschäft von Glencore harmonieren: Unsere grossen Schmelz- und Raffineriekapazitäten können komplexe Einsatzstoffe verarbeiten und ermöglichen die Verarbeitung rezyklierbarer Einsatzstoffe, und zwar günstiger als mit reinen Recyclinganlagen. Das ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch nachhaltig. Wir fördern und veredeln Metalle in unseren Anlagen, vermarkten sie und recyceln sie anschliessend, damit sie wieder in die Lieferkette gelangen. Weltweit werden weniger als 20% des Elektroschrotts gesammelt und rezykliert, dabei wächst diese Abfallkategorie am schnellsten. Daher wollen wir unsere beträchtlichen Investitionen für diesen Recyclingzweig weiter erhöhen – nicht nur ist er sehr profitabel, vor allem aber entspricht er unserem Zweck der verantwortungsvollen Beschaffung.

Die Welt braucht viel mehr Rohstoffe, um Netto-Null zu erreichen. Wie wollen Sie das erreichen?

Wir haben kürzlich eine wichtige Partnerschaft für Batterie-Recycling in Grossbritannien angekündigt. Wir testen neue Technologien, die das Recycling von komplexen Materialien ermöglichen. Als verantwortungsbewusstes Unternehmen arbeiten wir eng mit Partnern aus Industrie und Regierungen zusammen, um die Kreislauffähigkeit von Geschäftsmodellen für Elektronik und Batterien zu verbessern. Wir haben an der Gründung der Circular Electronics Partnership mitgewirkt, in der einige der grössten Unternehmen daran arbeiten, die Kreislaufwirtschaft im Sektor zu definieren, und wir sind Mitglied der Global Battery Alliance, die eine nachhaltige Wertschöpfungskette für Batterien entwickelt. Unsere Vision ist, lebenslanger Verwalter der von uns produzierten Metalle zu sein, und nicht nur den Abbau, sondern auch das verantwortungsvolle Recycling sicherzustellen.

Dieses Interview erschien erstmals im STSA Commodities Magazine 2022. Lesen Sie das Original hier.

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